Medizinische Schwerpunkte

Erkrankungen des Gehirns und der Hirnhäute

Gefäßschwämmchen (Kavernome)

Kavernome sind abgekapselte Gefäßmissbildungen. Die Gefäße sind dünnwandig und liegen als Knäuel unmittelbar nebeneinander. Kavernome sind seltene Tumore, ungefähr fünf von 1.000 Menschen tragen solche Gefäßschwämmchen im Gehirn.

Kavernome können im Altersgang wachsen und verschiedene Symptome hervorrufen. Häufig werden sie durch Krampfanfälle auffällig. Diese Kavernome nennen Mediziner epileptogen. Wenn die dünnen Gefäßwände reißen, kommt es zu Hirnblutungen. Diese sind entsprechend der Lage des Kavernoms lebensbedrohlich oder führen zu fokal neurologischen Ausfällen (Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen usw.) oder verursachen »nur« heftige Kopfschmerzen. Stattgehabte sehr kleine Blutungen um die Kavernome liefern im MRT typische Signale. Diese Kavernome nennen wir »geblutet«.

Kavernome, die an Größe im Verlauf zunehmen, die epileptogen sind (Krampfanfälle auslösen), andere Beschwerden hervorrufenden oder geblutet haben, sollten operativ entfernt werden. Das Operationsrisiko richtet sich wie die möglichen Symptome nach der Lage der Gefäßschwämmchen im Gehirn.

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Absiedlungen bösartiger Tumore des Körpers (zum Beispiel Tumore der Brustdrüse, der Lunge oder des Darms) im Gehirn. Über die Blutbahnen gelangen Zellen dieser Tumoren in das Gehirn, setzen sich dort fest und bilden Metastasen. Je nach ihrer Lokalisation im Gehirn können die unterschiedlichsten Symptome auftreten, die dann zur Diagnostik (CT oder MRT) führen. Sind nur wenige Metastasen an gut zugänglichen Stellen im Gehirn vorhanden, ist meist eine operative Entfernung möglich. In der Regel wird nach solchen Operation eine Bestrahlung erforderlich. Leider gibt es nur wenige Chemotherapeutika, die bei Hirnmetastasen wirksam sind. Auf jeden Fall muss die Behandlung mit dem Entdecken der Hirnmetastasen individuell und zwischen den unterschiedlich spezialisierten Fachärzten abgestimmt werden.

Hirnhauttumoren (Mengineome)

Meningeome entstehen aus den Hüllen des Gehirns, den Hirnhäuten (Meningen). Da das Hirn nahezu komplett von Hirnhäuten umgeben ist, können sie auch an den verschiedensten Stellen im Kopf entstehen. In der Regel wachsen sie verdrängend, das heißt, sie verschieben das Hirngewebe. Die entstehenden Symptome richten sich nach der Funktion, die dem verdrängten Hirngewebe zugeordnet ist. So können Meningeome Lähmungen, Sehstörungen oder Sprachstörungen auslösen. Oft werden sie aber auch durch eine Abklärung länger bestehender Kopfschmerzen oder nach einem ersten Krampfanfall entdeckt. Kleinere Meningeome finden sich regelmäßig als Zufallsbefund, wenn eine CT oder MRT des Kopfes aus anderen Gründen, z.B. nach einem Unfall oder zur Abklärung von Kopfschmerzen, durchgeführt wird.

In der Regel werden Meningeome operativ über eine Eröffnung des Schädels entfernt. In seltenen Fällen ist eine Entfernung nicht möglich, dann werden die Tumoren beobachtet oder in Ausnahmefällen auch bestrahlt.

Meningeome sind überwiegend gutartig, eine Heilung ist durch die Entfernung möglich. Bösartig wachsende Meningeome kommen nur in Ausnahmefällen vor, dann wird nach einer Operation auch regelmäßig bestrahlt, eine Heilung ist leider nicht möglich.

Stützzellentumoren (Gliome)

Diese Tumoren entstehen aus den Stützzellen (Gliazellen) des Hirns. Da es unterschiedliche Gliazellen gibt, unterscheiden sich auch die Gliome. Zwei wichtige Arten der Stützzellen sind die »Sternzellen« (Astrozyten) und die »Kurzarmzellen« (Oligodendrozyten). Von diesen Zelltypen leiten sich die Astrozytome und die Oligodendrogliome bzw. Mischformen beider Tumortypen ab.

Aufgrund verschiedener Merkmale der Tumoren kann auf deren Wachstumsverhalten und Aggressivität geschlossen werden. International gültig ist bei Hirntumoren die WHO-Klassifikation. Sie unterscheidet vier Grade eines Hirntumors:

  • WHO Grad I – Langsam wachsende, wenig aggressive Tumoren. Sie werden in der Regel als gutartig bezeichnet.
  • WHO Grad II – Tumore mit moderatem Wachstum, aber infiltrierend
  • WHO Grad III – Schnelleres Wachstum, bösartig
  • WHO Grad IV – Diese Tumoren werden auch Glioblastom oder Glioblastoma multiforme genannt. Glioblastome wachsen sehr schnell, sind aggressiv und werden als bösartig bezeichnet.

Entsprechend der Funktion des Gehirnabschnittes in dem die Gliome gewachsen sind, werden sie auffällig (Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen). Darüber hinaus  sind allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen oder epileptische Anfälle mögliche. Die aufgrund der Symptome durchgeführte CT oder MRT-Diagnostik liefert dann erste Hinweise auf die Tumorart.

Zur Behandlung der Gliome existieren anerkannte, international gültige Empfehlungen, die individuell angepasst werden müssen. Eine Kombination von verschiedenen Behandlungsformen (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie) kommt vor allem bei den bösartigen Gliomen zur Anwendung.

Ziel der Behandlung dieser nicht heilbaren Gliome ist, dass bei guter Lebensqualität ein Neuwachsen des Tumors verhindert bzw. so lange wie möglich hinausgeschoben wird. Ist eine Operation im Hinblick auf die nach dem Eingriff zu erwartende Lebensqualität zu risikoreich, wird in der Regel aus dem Tumor eine Probe entnommen, um seine Art exakt zu bestimmen und eine für den Tumortyp geeignete Nachbehandlung (Chemotherapie, Strahlentherapie) einleiten zu können.

Lymphome

Lymphome sind Tumoren von Zellen des sogenannten lymphatischen Systems des Körpers. Es handelt sich dabei um ein wichtiges Transport- und Abwehrsystems unseres Organismus. Im Hirn gibt es zwar keine Lymphbahnen, aber die Abwehrzellen (Lymphozyten) können sich im Gehirn festsetzen und sich vermehren. Die MRT kann Hinweise auf das Vorliegen eines Lymphoms geben. Da Lymphome mit Chemo- und Strahlentherapie behandelt werden, nimmt der Neurochirurg nur eine Probe (Biopsie) aus dem Tumor, damit die Tumorart gesichert werden kann. Eine Schädeleröffnung und komplette Entfernung der Lymphome ist nicht notwendig.

Entzündungen des Gehirns

Die bekannteste Entzündung im Schädelinneren ist sicher die Hirnhautentzündung (Meningitis). Neben diffusen Entzündungen des Gehirnes selbst, die oft durch Viren hervorgerufen werden (Encephalitis), gibt es auch lokal begrenzte Entzündungen des Gehirnes, die zum Beispiel nach Schädelbasisbrüchen an der Unterseite des Gehirnes durch ein Einwandern von Bakterien aus der Nase oder dem Ohr entstehen. Ist Hirngewebe durch die Entzündungszellen eingeschmolzen, kapselt sich die Entzündung ab. Es entsteht ein eitergefüllter Raum – ein Hirnabszess. Die Keime können auch von anderen im Körper befindlichen Entzündungsherden (z.B. Zahnwurzelentzündungen, Herzinnenwandentzündungen, Lungenentzündungen) über die Blutbahn ins Gehirn wandern.

Diagnostik

Neben der Untersuchung des Blutes auf Entzündungszeichen ist die Kernspintomographie (MRT) Untersuchungsmethode der Wahl. Mit speziellen Einstellungen (sogenannte Wichtungen), lässt sich ein Hirnabszess mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nachweisen.

Therapie

Liegen viele kleine Hinrabszesse vor, ist eine antibiotische Behandlung oft ausreichend. Finden sich wenige große Hirnabszesse mit einer entsprechenden Raumforderung gegenüber dem benachbarten Gehirn, müssen diese punktiert und der Eiter abgelassen werden. Wenn der Hirnabszess gekammert ist, versagt eine Punktion, der Schädel muss eröffnet und der Abszess mikrochirurgisch entfernt werden. An die Operation schließt sich eine mehrwöchige bzw. bei manchen Keimen eine mehrmonatige Behandlung mit Antibiotika an.

Hirnblutungen

Bei den Hirnblutungen unterscheiden wir vier verschiedene Blutungstypen. Neben den oft durch Unfälle mit Kopf- und Gehirnbeteiligung (Schädelhirntrauma) verursachten Blutungen über die harte Hirnhaut (Epiduralhämatome) und unter die harte Hirnhaut (Subduralhämatome) unterscheiden wir die spontane Blutung unter die Spinnwebenhaut (Subarachnoidalblutung), die durch Gefäßaussackungen (Aneurysmen) hervorgerufen wird und die Blutungen direkt in das Hirngewebe, die eigentliche Hirnblutung (intrazerebrale Blutung). Zu Hirnblutungen können die Bluthochdruckerkrankung (Hypertonie) und durch Veränderungen in ihrem Aufbau brüchig gewordene Hirngefäße führen. In seltenen Fällen sind eine krankhaft (Knochenmarks- oder Lebererkrankungen) oder gewollt (Einnahme von blutgerinnungshemmenden Substanzen) schlechte Blutgerinnung Auslöser für eine Hirnblutung. Entsprechend ihrer Lokalisation verursacht die Hirnblutung funktionelle Ausfälle (Bewusstlosigkeit, Halbseitenlähmung, Sehstörungen etc.). Hirnblutungen treten plötzlich auf, so dass die Erkrankung landläufig auch als »blutiger Schlaganfall« bezeichnet wird.

Diagnostik

Die plötzlich auftretenden Symptome sind Anlass zur CT- oder MRT-Diagnostik. Liegt die Blutung nahe der Hirnoberfläche, auf einen Hirnlappen begrenzt, im Wesentlichen in den Hirnkammern oder im Kleinhirn, sollte eine Schädelöffnung und Entfernung oder Drainage der Blutung erwogen werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation muss individuell und interdisziplinär getroffen werden.

Therapie

Über eine Schädeleröffnung kann das Blut aus dem Hirngewebe entfernt, und damit der Druck auf das gesunde Gehirn beseitigt werden. Für eine möglichst weitgehende Wiederherstellung der Hirnfunktion, die nicht in allen Fällen gelingt, ist eine langfristige Rehabilitationsbehandlung erforderlich.

Schlaganfall

Plötzlich auftretende neurologische Symptome (Halbseitenschwäche, verwaschene Sprache, Sehstörungen, Schwindel etc.) sind typische Symptome eines Schlaganfalles. Beim Schlaganfall kommt es zum Verschluss eines Hirngefäßes. Das von diesem Gefäß mit Blut versorgte Hirngewebe verliert seine Funktion. Gelingt es rechtzeitig, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen, kann das Hirngewebe gerettet und die Funktion wiederhergestellt werden. Die Eröffnung des »verstopften« Hirngefäßes gelingt mit blutgerinnselauflösenden Medikamenten (Lysetherapie), die in die Blutbahn gespritzt werden.

Gelingt es nicht, die Durchblutung wiederherzustellen und sind größere Hirnareale ohne Durchblutung (Hirninfarkt), fängt das defekte Hirngewebe an zu schwellen (Ödem). Da das Gehirn rundherum von Knochen umgeben und dadurch der Platz für eine Schwellung des Gehirns begrenzt ist, steigt der Druck im Schädelinneren. Besonders eng ist der Raum in der hinteren Schädelgrube, in der sich das Kleinhirn befindet. Hier können schon recht kleine Hirninfarkte zu hohen Druckwerten im Schädelinneren führen, die nicht mehr mit dem Leben vereinbar sind.

Therapie

In einigen Fällen ist es deshalb sinnvoll, den Schädelknochen vorübergehend großflächig zu entfernen (Kraniektomie), um dem geschwollenen Hirn Platz zu schaffen. Die entfernten Schädelknochenstücke können in einem speziellen Tiefkühlschrank bei -80° Celsius bei Bedarf mehrere Monate aufbewahrt und nach Abschwellung des Gehirnes wieder eingesetzt werden.