Kompressionssyndrome

Erkrankungen der peripheren Nerven

Nervenzellen nehmen Reize aus der Umwelt auf, leiten sie weiter und verarbeiten sie bzw. leiten Impulse des Gehirns an andere Organe weiter und sorgen damit dafür, dass wir Dinge erfühlen und unsere Muskeln willkürlich einsetzen können. Die Nervenzellen, die gemeinsam in eine bestimmte Körperregion führen, sind zu Nerven zusammengefasst. An bestimmten Körperstellen, müssen die Nerven natürliche Engstellen passieren. Durch bestimmte Tätigkeiten, Überlastung oder in Zusammenhang mit Krankheiten verengen sich diese Stellen derart, dass die Nerven ihre normale Funktion einbüßen (der Nerv wird komprimiert – Kompressionssyndrom).

Exemplarisch sollen die beiden häufigsten Kompressionssyndromsyndrome peripherer Nerven, das Karpaltunnelsyndrom (KTS) und das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS) vorgestellt werden.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Von der Erkrankung sind vornehmlich Frauen betroffen (Relation zu Männern: 4:1), das Haupterkrankungsalter liegt zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr, ca. 400 von 100.000 Menschen erkranken jährlich an einem KTS. Karpaltunnelsyndrom heißt, dass der Mittelhandnerv, der die ersten drei Finger der Hand mit Gefühl versorgt und das Abspreizen des Daumens bzw. dessen Einschwenken in Richtung Handteller ermöglicht, im Karpaltunnel durch die umgebenden Strukturen bedrängt wird, was Symptome hervorruft.

Ursächlich sind konstitutionelle Faktoren, Schwellungszustände im Bereich der Sehnenscheiden bei degerativen, hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankungen, mechanische Überlastung (Fahrradfahren), nach Frakturen im Handgelenksbereich und die Schwangerschaft.

Klinik

Symptomatisch wird die Erkrankung mit schmerzhaften nächtlichen Kribbelmißempfindungen in den ersten drei  Fingern der Hand, die später den Unter- oder den gesamten Arm erfassen können. Ausschütteln der Hand bringt Besserung. Später treten Taubheit, beginnend in den Fingerspitzen und ein Schwächegefühl der Hand hinzu. Der äußere Daumenballen verliert an Kontur.

Diagnostik

Neben der Erfassung der Symptome kann der Neurologe die Nervenleitung messen und die Funktionsstörung durch den äußeren Druck feststellen.

Therapie

Bei leichtem KTS (kein Aufwachen in der Nacht, keine manifeste Taubheit oder Schwäche) kann das nächtliche Tragen einer Handgelenksschiene die Erkrankung bereits wirksam behandeln. Liegen die genannten Symptome vor und der Elektrophysiologe bescheinigt ein mittelschweres oder schweres KTS sollte das den Nerv im Bereich der Handwurzel bedeckende Band (Ligamentum carpi transversum) gespalten werden. Die Operation ist in dieser Situation der konservativen Behandlung überlegen.

Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt werden. Wir praktizieren die offene Spaltung des Bandes in mikrochirurgischer Technik. Etwa zwei bis drei Wochen Erholungszeit 7 Arbeitsunfähigkeitszeit nach dem Eingriff sind einzuplanen.

Kubitaltunnelsyndrom (KUTS)

Von dieser Erkrankung sind doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen. Etwa 25 von 100.000 Menschen erkranken jährlich neu. Ursächlich kann ein chronisches »Reiten« des Ellenervs auf der äußeren knöchernen Begrenzung seines natürlichen Verlaufs beim Beugen des Arms, ein Zustand nach einem Bruch der Ellenbogenknochen oder ein Druckschaden am Nerv durch anhaltende Belastung sein.  Chronischer Druck oder funktionelle Überlastung des Ellenbogengelenks führen zu vermehrter Bindegewebsbildung über dem Verlauf.

Klinik

Die Symptome beginnen oft über Nacht, es treten ziehende, zum Teil brennende Schmerzen an der Ellenseite (Innenseite) des Unterarms bis zur Handkante und  zum kleinen und zum äußeren Ringfinger ziehend auf. Dieses Areal ist oft auch taub und es wird eine Kraftlosigkeit beim Zufassen beschrieben. Liegt schon eine Kraftentfaltungsstörung vor, kann regelmäßig ein Rückgang der Muskeln zwischen den Mittelhandknochen und im Bereich des Kleinfingerballens beobachtet werden.

Diagnostik

Durch Messung des Nervenleitgeschwindigkeit (Neurographie) muss bei den genannten Symptomen die Funktion des Nervs überprüft werden.  Der Ort der Schädigung kann mit dem Untersuchungsverfahren eingegrenzt werden. Nur bei komplexen Schäden sollte zusätzlich eine (etwas schmerzhafte) elektrografische Untersuchung der durch den Ellennerv angesteuerten Muskeln durchgeführt werden (EMG).  Bei entsprechender Krankengeschichte (Knochenbruch) sollte vor einer Operation geröntgt und bei Tumorverdacht eine MRT angefertigt werden. Im Regelfall ist keine Bildgebung notwendig.

Therapie

Bei unregelmäßig auftretenden Symptomen oder einer Reizsymptomatik ohne permanente Schmerzen oder manifesten Ausfällen kann ein konservativer Behandlungsversuch mit nachts zu tragender gepolsterter Ellenbogengelenksschiene und regelmäßigen elektrografischen Verlaufskontrollen unternommen werden.

Bei zunehmenden Beschwerden, Ausfallerscheinungen oder ausbleibender Besserung unter konservativer Behandlung sollte der Ellennerv dekomprimiert werden. Wir führen eine offene Dekompression des Nerven durch. Eine Verlagerung erfolgt nur im Ausnahmefall. Zirka zwei bis sechs Wochen Erholungszeit|Arbeitsunfähigkeitszeit sind einzuplanen.