Zu den Inhalten springen
21.04.2017
, Borna/Zwenkau
»Die Altersmedizin ist ein spannendes Fach«
Dr. med. Petra Berger im Interview

Der demografische Wandel und die Altersentwicklung der Bevölkerung sind in aller Munde. Die Lebenserwartung hat sich deutlich erhöht. Die Zahl der Menschen über 65 Jahre wird bis 2040 auf über 40 Prozent ansteigen. Diese Entwicklung stellt auch Mediziner vor neue Herausforderungen. Wie man mit diesen umgeht, das erläutert die neue Oberärztin der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation am Sana Kliniken Leipziger Land und Leiterin der Zwenkauer Tagesklinik, Dr. med. Petra Berger, im Interview. 

Warum braucht es Altersmedizin?
Berger: Die Altersmedizin – oder auch Geriatrie – ist eine medizinische Spezialdisziplin, die sich mit Krankheiten und Krankheitsfolgen alter Patienten befasst. Kinder gehen zum Kinderarzt, denn ihr Organismus funktioniert anders als der von Erwachsenen. Aus genau dem gleichen Grund sollten alte Menschen zum Altersmediziner gehen. Denn auch der Organismus eines 80jährigen funktioniert anders, als der eines 20jährigen.

Was macht die Altersmedizin?
Aufgabe von uns Geriatern ist die Erhaltung bzw. die Wiederherstellung der Selbständigkeit und die Integration in den Alltag mit dem Ziel, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Was möchte der Mensch in seiner aktuellen Lebenssituation? Welche Ressourcen kann man dafür mit ihm erschließen? Was können Patienten selbst tun? Was kann die geriatrische Behandlung leisten? – das sind typische Fragen, die wir Geriater uns Tag für Tag stellen.

Was reizt sie an der Altersmedizin?
Die Altersmedizin ist einfach ein spannendes Fach. Alte Menschen haben oft mehr als eine Erkrankung, sie sind multimorbide, wie wir Mediziner das nennen. Ein Geriater muss daher Schwerpunkte setzen, sich überlegen, welche Krankheit im Mittelpunkt steht. Entscheidend ist der Allgemeinzustand des Patienten: Ist er noch mobil, kann er sich alleine versorgen, ist er geistig fit – solche Überlegungen fließen ein. Denn nur eine Diagnostik, die den Menschen als Ganzes sieht, ist das Fundament einer guten Therapie.

Wie helfen Sie Ihren Patienten?
Eine geriatrische Station ist etwas anders wie eine normale Abteilung im Krankenhaus. Denn – ähnlich wie in einer Reha – wollen wir unsere oft schwerkranken, multimorbiden Patienten wieder fit für das Leben zuhause machen. Dafür bedarf es eines Teams aus verschiedenen Berufsgruppen in der Klinik und die Entwicklung eines umfassenden Behandlungs- und Betreuungsplanes über den Kliniksaufenthalt hinaus. Dafür arbeiten Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, Sozialdienst sowie einige andere Fachdisziplinen eng zusammen.

Müssen solche Patienten immer stationär behandelt werden?
Ja, aber nicht immer vollstationär, also rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag. Unter gewissen Voraussetzungen können wir Patienten auch in unserer Tagesklinik in Zwenkau betreuen. Diese bietet den großen Vorteil, dass die dortigen Patienten tagsüber von uns in der Klinik behandelt werden, aber abends in ihr vertrautes Umfeld zuhause zurückkehren können.

Welche Voraussetzungen sind das?
Zunächst muss der behandelnde Haus- oder Facharzt die Notwendigkeit einer Krankenhaus-Behandlung feststellen. Danach hängt eine Aufnahme in unsere Tagesklinik beispielsweise davon ab, ob der Patient Alltagsaktivitäten wie Aufstehen, Waschen, Anziehen selbst oder mit Hilfe eines Angehörigen bzw. einer Pflegeperson bewältigen kann, ob der abendliche Zugang zur Wohnung mit Hilfeleistung oder selbstständig möglich ist oder ob der Patient ausreichende physisch, psychisch und kognitiv belastbar ist. Sind diese und andere Voraussetzungen erfüllt, steht einer Aufnahme nichts im Wege. Die täglichen Hin- und Rücktransporte werden von der Tagesklinik organisiert.

Vor welchen Herausforderungen steht die Altersmedizin?
Die Zukunft der Medizin an sich steht vor großen Herausforderungen. Diagnostische und therapeutische Prozessen werden immer komplexer, dementieller Syndrome nehmen zu, gleichzeitig verknappen sich Ressourcen. Und auch die familiäre Unterstützung – früher gab es Großfamilien oder lebten viele Familien zumindest im gleichen Ort – wird weniger. Vor diesem Hintergrund suchen Altersmediziner Lösungsansätze. Auch hier bleibt es spannend.

Kontakt

Janet Schütze
Leitung Unternehmenskommunikation Region Sachsen/Franken
Tel.: 03433 21-1075
janet.schuetze@sana.de